1. Psychosomatische Schmerzen sind nicht eingebildet, sondern reale Körperschmerzen

Psychosomatische Schmerzen setzen Patienten häufig unter Druck. Die Schmerzen haben keinen organischen Hintergrund (Ärzte sagen: Wir können nichts finden), sind aber körperlich spürbar. Andererseits wird ein psychischer oder sozialer Hintergrund von Psychologen angenommen, der so für die Patienten nicht ersichtlich ist. Daher erleben die Patienten sich von den Ärzten nicht ernstgenommen („Sie bilden sich das nur ein“), bei den Psychologen aber haben sie das Gefühl, dass ihnen etwas unterstellt wird („Schmerzen kommen nicht von ungefähr, sie haben ein psychisches Problem“). Als Schlussfolgerung für sich selbst pendeln die Patienten oft zwischen der Selbstwahrnehmung als Simulant und dem ohnmächtigen Hinnehmen. In jedem Fall erleben sie sich als Versager.

 

2. Psychosomatische Schmerzen sind der erste Teil einer Botschaft des Organismus, um die Wahrnehmung des Patienten zu orientieren

Schmerzpatienten sind häufig gut trainiert in der Wahrnehmung der Aussenwelt, ihrer Anforderungen und Aufgaben. Ihre willkürliche Aktivität ist bei ihnen gut entwickelt und stellt ein wirksames Instrument zur Umweltbewältigung dar. Psychosomatische Schmerzen sind ein erster Hinweis darauf, dass diese Auseinandersetzung überbetont ist, also das Verhältnis von willkürlichen und unwillkürlichen Funktionen nicht ausbalanciert ist. Der unwillkürliche Schmerz meldet sich als Störung und sagt: Schau hierher in den unwillkürlichen Bereich, unterbrich deine Alltagsroutine und kümmere dich um mich – d.h. heisst: um dich selbst.

Schmerzen werden auf der unbewussten, autonomen Ebene – in den älteren Gehirnteilen des limbischen Systems und Stammhirns – erzeugt. Gegenüber diesen Bereich besteht bei Schmerzpatienten häufig eine Wahrnehmungsstörung, sie nehmen diesen Bereich wenig oder nur als Störung oder Bedrängnis wahr. Schmerzpatienten können Signale aus dem autonomen Bereich nur schwer zuordnen und konstruktiv beantworten.

Grundsätzlich muss man die Signale aus dem unbewussten Bereich auch gar nicht bewusst beantworten, weil es bereits unbewusst geschieht. Unser Organismus verfügt auf unbewusste Art über die Fähigkeit der Autoregulation. Wenn allerdings diese unbewussten Regulationsfähigkeiten unter Druck gesetzt werden, weil sie z.B. bestimmten bewussten Lebensanforderungen und –normen nicht gerecht werden, dann kommt es zu einer autonomen Gegenreaktion, deren eine der psychosomatische Schmerz ist. mehr...